Es lohnt, so früh wie möglich mit dem Schiessen zu beginnen. Viele Jungjäger klagen über die schwierige Schiessprüfung. Tatsächlich fehlt hier einfach die Übung.
Man kauft eine Waffe immer mit Pufferpatronen zum Üben. Zuerst übt man zuhause mit den Pufferpatronen die Handhabung:
Erst wenn man das sicher beherrscht, geht man mit der Waffe unter Leute. Das gilt für alle Waffen, gleich welche. Danach fängt man mit dem Schiesstand an, und geht zwei-, dreimal auf den Stand und schiesst insgesamt 500 Schuss, bis man die Waffe gewöhnt ist. Dabei übt man alle gefragten Positionen (sitzend, angestrichen, stehend, aufs bewegte Ziel zum Schluss).
Vorsicht: eine Waffe kann geladen sein, ohne dass ein Magazin eingelegt ist! Man lädt das Magazin. Dann lädt man aus dem Magazin die Waffe. Nimmt man das Magazin nun weg, bleibt die Waffe geladen! Ausprobieren mit der Pufferpatrone!
Man beachte immer die vier Sicherheitsregeln:
Jede Waffe wird als geladen betrachtet, bis das Gegenteil bewiesen ist; den Beweis führt man IMMER als erstes
Richte den Lauf immer nur auf etwas, was Du treffen willst, oder aber in eine sichere Richtung (nach unten auf den Boden, nach oben, je nachdem, wo sicher keine Menschen sind) – muss man die Mündung aufs Ziel richten, so geht die Waffe ZUERST nach unten oder oben, SO Richtung Ziel, und dann erst aufs Ziel, damit man nie ungewollt etwas oder gar jemanden mit der Mündung überstreicht.
Versichere Dich, was in der Schusslinie ist, und was davor und vor allem auch dahinter – ein Schuss durchlöchert das Ziel und fliegt kilometerweit weiter; ein Kugelfang ist unbedingt NOTWENDIG (z.B. weicher Erdboden oder Kugelfang auf dem Schiessstand), oder man schiesst einfach gar nicht, wenn man sich nicht sicher ist
Der Finger bleibt immer langgestreckt ausserhalb des Abzugbügels, solange, bis unverzüglich geschossen werden soll, erst dann geht er rein – und nach dem Schiessen sofort wieder raus und wird langgestreckt!
Bekommt man eine Waffe übergeben oder nimmt sie auf, so überprüft man deren Lade- und Sicherungszustand IMMER – auch dann, wenn einem der Zustand gerade gezeigt wurde oder man die Waffe kürzlich selbst entladen hingelegt hat. Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel. Man nimmt die Waffe nur mit EIGENER Prüfung entgegen bzw. auf, oder einfach gar nicht. Das übt man, bis es einem in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Nur Repetierer kaufen für die Jagd – keine Automatik!
Sehr gute Jagdbüchsen mit hoher Qualität zum vertretbaren Preis gibt es z.B. von:
Besonders günstige Jagdbüchsen mit immer noch gutem Ruf in Sachen Qualität gibt es z.B. von:
(Habe bisher keine BR20 geschossen. Besitze jedoch eine Flinte von Brenner und bin top zufrieden. Weiss allerdings nicht, ob es die als Linkshänderwaffe gibt. Die Bergara gibt es für Linkshänder.)
Das Kaliber .308 Winchester empfiehlt sich. Die Munition ist viel günstiger als bei anderen Kalibern. Für’s Üben kauft man 500 Schuss FMJ. Später schiesst man 100 Schuss im Jahr mit Jagdmunition (SP, JHP, etc.). Hersteller wie GGG aus Litauen haben ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis für .308, und es gibt auch gute Jagdmunition für schmales Geld von GGG.
Es gibt jede Menge Theorien und Geschichten, welches Kaliber viel besser sei als alle anderen. Alle Geschichten davon sind falsch. Wird genügend Energie übertragen, so spielt das genaue Kaliber keine besondere Rolle bei der Jagd. Für alles, was in Mitteleuropa lebt, reicht .308 Winchester. Nur für die Grosswildjagd stellt sich das Thema (Büffel, Nilpferde, etc.)
Ich kaufe nur noch Büchsen mit Picatinny-Schiene. Es geht auch anders, aber das ist so praktisch, dass ich nicht sehe, weshalb es anders sein soll. Das sollte man jedoch nicht zu religiös sehen, wenn einem ein Sonderangebot unterkommt – in dem Fall halt ohne Picatinny und mit klassischer ZF-Halterung.
Ein Jagdgewehr benötigt ein Mündungsgewinde, damit man später einen Schalldämpfer anbringen kann. Eine Waffe ohne ein solches Mündungsgewinde kauft man nicht.
Gewehr schiesst man immer auf der Seite des starken Auges. Auch wenn Du Rechtshänder bist, aber Dein starkes Auge ist das Linke, kaufe eine Linkshänderwaffe und gewöhn Dich dran! Leute, die das betrifft, schiessen oft Pistole mit rechts und Gewehr mit links. Das ist kein Problem, aber das Gewehr auf der falschen Seite, und Du triffst nicht.
Das Objektiv muss mindestens 50mm sein. 8-fach-Vergrösserung reicht (die meisten haben mehr, und man dreht auf 8-fach runter). Die Glasqualität ist sehr wichtig – man jagt in der Dämmerung. Deshalb ist deutsches Glas nach wie vor beliebt. Soll das Jagdgewehr auch für den Sport eingesetzt werden, würde ich Element oder Vortex als Hersteller empfehlen – in diesem Fall nur japanisches Glas kaufen, kein chinesisches, und nur First Focal Plane-Absehen. Für die Jagd alleine genügt Second Focal Plane für’s Absehen, es spielt keine Rolle – die Glasqualität jedoch spielt bei der Jagd die grösste Rolle! Nicht erschrecken: ein gutes ZF kostet in etwa so viel wie das Gewehr selbst. Kauft man als Jäger billiges Glas, kauft man zweimal.
Bei der Büchse auf’s Gesamtgewicht achten, dass man sie noch auf der Pirsch länger tragen kann! Modelle für die Jagd sind leichter als die für’s Sportschiessen – aus gutem Grund! Auch das ZF darf nicht zu schwer sein.
Bei einem Jagdgewehr reichen einfache Ringe zum Befestigen des ZF. Die Ringe sollten hoch genug sein, so dass das ZF beim Repetieren nicht im Weg ist, und ansonsten so niedrig wie möglich! Der Innendurchmesser der Ringe muss zum Aussendurchmesser des Rohrs des ZFs passen.
Soll das Gewehr auch sportlich benutzt werden, keine Ringe sondern Brückenmontage kaufen!
Der Büchsenmacher soll das ZF montieren bei Anfängern. Das ZF muss so montiert sein, dass man in der Kleidung, die man draussen trägt, die Waffe sitzend oder stehend in den Anschlag nimmt, und spontan befindet sich das Auge in der Eyebox (der Bereich, in dem man durch das ZF scharf sieht). Ist das nicht der Fall, stimmt die ZF-Montage für den Schützen nicht, und muss solange korrigiert werden, bis das funktioniert.
Stecher können eine Hilfe sein, aber sie machen für Anfänger die Sache komplex und schwierig. Moderne Gewehrabzüge sind ganz leicht, und man braucht nicht mehr unbedingt einen Stecher. Soll es ein Stecher sein, so sind deutscher Stecher und französischer beide mit jeweiliger Übung zu handhaben – Geschmacksache. Eine Waffe mit Stecher kann man sich aber auch später zulegen und als Anfänger mal ohne beginnen. Falls Du eine Waffe mit Stecher hast, übe Einstechen und auch Stecher lösen bis Du es blind richtig machst vor dem Schuss bzw. vor dem Sichern.
Als kleinere Person nur eine Flinte kaufen, die für Damen bzw. kleinere Menschen ist oder gut angepasst werden kann! Passt der Schaft nicht, ist es unmöglich, mit der Flinte etwas zu treffen. Man kann sich den Schaft zudem individuell anpassen lassen vom Büchsenmacher, und sollte das auch tun. Eine Bockflinte empfiehlt sich sowohl für die Jagd als auch für das Training mit Tontauben. Als Kaliber empfiehlt sich 12/76, denn damit kann man auch 12/70 verschiessen. Hier ist die Munition wiederum am günstigsten, und man kann sich 500 Schuss Übungsmunition (Stahlmunition) gut leisten, um fit zu werden. Nur eine Flinte kaufen mit Chokes, die Stahlmunition verträgt!
Günstige aber gute Flinten gibt es z.B. von:
Für die Nachsuche nehme ich einen kurzen (16”) Unterhebel-Repetierer in .44 Magnum. Es geht jedes kurze, leichte Gewehr in einer Mittel- oder Grosskaliberpatrone. Vorsicht: lokales Jagdrecht beachten!
Einen Fangschuss kann man gut auch mit der Flinte anbringen. Insbesondere, wenn das Stück auf hartem Untergrund liegt (z.B. einer geteerten Strasse) kann man mit Blei-Birdshot arbeiten – aus nächster Nähe aufs Gehirn gehalten überlebt kein Stück Wild, und es gibt nicht viele Abpraller, weil die weichen Bleikügelchen sich auf den Asphalt setzen.
Die Handhabung eines Drillings ist sehr komplex. Diese Waffengattung hat neben dem offensichtlichen Vorteil auch grosse Nachteile, es ist ggf. schwierig, mit dem zweiten Schuss zu treffen, weil der einen anderen Haltepunkt hat. Das muss einem liegen, dann hat man zwei Gewehre in einem. Liegt es einem als Anfänger nicht, einen Drilling kann man sich auch später kaufen.
Kleinkaliber-Waffen in .22lr, lang wie kurz, eignen sich sehr gut für’s Training, da die Munition extrem günstig ist. Man kann mit ihnen auch kleines Wild jagen, aber das geht mit der Flinte einfacher.
Kurzwaffen sind praktisch, aber wenn man keine besondere Begabung dafür hat, aufwändig zu erlernen – viel aufwändiger als der Umgang mit einem Gewehr.
Die erste Kurzwaffe sollte gross und schwer sein. Eine Kurzwaffe geht je leichter zu erlernen, je grösser und schwerer sie ist. Minimal darf sie aus der Kompakt-Klasse sein (Glock 19, Walther PDP 4” Compact, etc.), besser Full Size (Glock 17, Walther PDP 4.5” FS, etc.)
In der Regel brauchen Schützen ein halbes Jahr wöchentliches Training, bis die Kurzwaffe gut gehandhabt werden kann. Erst die zweite Kurzwaffe kann klein und handlich sein, und man muss noch einmal ein paar Monate Übungszeit rechnen für den Umstieg.
Die wichtigste Übung mit der Kurzwaffe ist zuhause das trockene Abziehen. Man lädt die Waffe mit Pufferpatronen und übt jeden Abend trocken. Dazu stellt man eine Patrone auf den Lauf. Es muss abgezogen werden, ohne dass die Patrone herunter fällt. Erst dann kann man mit der Kurzwaffe treffen.
Die erste Kurzwaffe nimmt man entweder als Revolver in .357 Magnum oder als Automatik in 9mm Parabellum. Aus dem .357 Magnum schiesst man .38 Special Munition, keine Magnums (ausser um Spass zu haben oder wenn es gegen wehrhaftes Wild wie Wildschweine geht). 9mm Parabellum ist von den Grosskalibern das günstigste, und es ist technisch der beste Kompromiss für Automatik-Pistolen.
Hat man wenig Kraft im Arm, so kann die Handhabung einer Automatik-Pistole schwierig sein. Krafttraining hilft, aber auch die richtige Technik. Waffen wie die Walther PDP sind eine grosse Hilfe dabei aufgrund der wesentlich besseren Ergonomie als bei anderen Automatik-Pistolen. Man kann auch einen Revolver nehmen, dann braucht man wenig Kraft. Günstige in .357 Magnum gibt es z.B. von Weihrauch. Alternativ kann eine etwas grössere Automatik im kleineren Kaliber 9mm kurz/.380 ACP helfen, die brauchen oft nicht so viel Kraft.
Revolver müssen oft geputzt werden, Automatik-Pistolen viel seltener, um sauber zu funktionieren. Dafür ist das Putzen von Revolvern einfach, weil man sie nicht zerlegen muss für die einfache Reinigung. Bei Revolvern müssen oft Schrauben regelmässig nachgezogen werden, während das bei Automatik-Pistolen meist nicht so ist.
Kaufe keine Waffe, die Du nicht (z.B. im Laden) in der Hand hattest, und wo Du die Handhabung testen durftest, ob die Waffe zu Dir passt! Frage, ob Du darfst, und ziehe dann trocken ab, ob der Abzug für Dich passt! Die Unterschiede sind extrem gross.
Waffen sind etwas Individuelles. Nimmt man eine Waffe in die Hand, so fühlt man meist sofort “das ist für mich” oder “das ist nicht für mich”. Vertraue auf Dein Gefühl!
(Volker Birk)
Anm.: der offizielle Name für eine Automatik ist “Selbstladepistole” bzw. “Selbstladebüchse”. Nur sagt das in der Umgangssprache niemand so. Deshalb schreibe ich stattdessen “Automatik”.