Es lohnt, so früh wie möglich mit dem Schiessen zu beginnen. Viele Jungjäger
klagen über die schwierige Schiessprüfung. Tatsächlich fehlt hier einfach die
Übung.

## Neue Waffe

Man kauft eine Waffe immer mit Pufferpatronen zum Üben. Zuerst übt man zuhause
mit den Pufferpatronen die Handhabung:

- Magazin laden
- Magazin entladen
- Waffe gesichert aus dem Magazin laden
- Waffe einzeln ohne Magazin laden
- Waffe entsichern und schussbereit machen
- Waffe wieder sichern
- Magazin entfernen, danach Waffe entladen ohnen einen Schuss abzugeben
- Waffe standfertig machen
- Waffe schrankfertig machen

Erst wenn man das sicher beherrscht, geht man mit der Waffe unter Leute. Das
gilt für alle Waffen, gleich welche. Danach fängt man mit dem Schiesstand an,
und geht zwei-, dreimal auf den Stand und schiesst insgesamt 500 Schuss, bis
man die Waffe gewöhnt ist. Dabei übt man alle gefragten Positionen (sitzend,
angestrichen, stehend, aufs bewegte Ziel zum Schluss).

## Sicherheit

Vorsicht: eine Waffe kann geladen sein, ohne dass ein Magazin eingelegt ist!
Man lädt das Magazin. Dann lädt man aus dem Magazin die Waffe. Nimmt man das
Magazin nun weg, bleibt die Waffe geladen! Ausprobieren mit der Pufferpatrone!

Man beachte immer die vier Sicherheitsregeln:

- Jede Waffe wird als geladen betrachtet, bis das Gegenteil bewiesen ist; den
  Beweis führt man IMMER als erstes

- Richte den Lauf immer nur auf etwas, was Du treffen willst, oder aber in
  eine sichere Richtung (nach unten auf den Boden, nach oben, je nachdem, wo
  sicher keine Menschen sind) – muss man die Mündung aufs Ziel richten, so geht
  die Waffe ZUERST nach unten oder oben, SO Richtung Ziel, und dann erst aufs
  Ziel, damit man nie ungewollt etwas oder gar jemanden mit der Mündung
  überstreicht.

- Versichere Dich, was in der Schusslinie ist, und was davor und vor allem auch
  dahinter – ein Schuss durchlöchert das Ziel und fliegt kilometerweit weiter;
  ein Kugelfang ist unbedingt NOTWENDIG (z.B. weicher Erdboden oder Kugelfang
  auf dem Schiessstand), oder man schiesst einfach gar nicht, wenn man sich
  nicht sicher ist

- Der Finger bleibt immer langgestreckt ausserhalb des Abzugbügels, solange,
  bis unverzüglich geschossen werden soll, erst dann geht er rein – und nach
  dem Schiessen sofort wieder raus und wird langgestreckt!

Bekommt man eine Waffe übergeben oder nimmt sie auf, so überprüft man deren
Lade- und Sicherungszustand IMMER – auch dann, wenn einem der Zustand gerade
gezeigt wurde oder man die Waffe kürzlich selbst entladen hingelegt hat. Es
gibt keine Ausnahme von dieser Regel. Man nimmt die Waffe nur mit EIGENER
Prüfung entgegen bzw. auf, oder einfach gar nicht. Das übt man, bis es einem
in Fleisch und Blut übergegangen ist.

## Büchse

Nur Repetierer kaufen für die Jagd – keine Automatik!

Sehr gute Jagdbüchsen mit hoher Qualität zum vertretbaren Preis gibt es z.B.
von:

- <a href="https://www.sako.global/series/tikka-t3x#allModels" target="_blank">Tikka T3X-Serie</a> (Gewicht beachten, eines der leichten Modelle nehmen)
- <a href="https://www.czfirearms.com/de/produkte/zentralfeuerbuchsen/cz-600-plus-serie" target="_blank">CZ 600-Serie</a>
- <a href="https://www.roewa.net/produkte/titan6/modelle/" target="_blank">Rössler Titan6</a>
- <a href="https://www.mauser.com/ch/MAUSER-18-Standard/80112498" target="_blank">Mauser M18</a>

Besonders günstige Jagdbüchsen mit immer noch gutem Ruf in Sachen Qualität gibt
es z.B. von:

- <a href="https://youtu.be/ziYXpvEypyQ" target="_blank">Brenner BR20</a>
- <a href="https://youtu.be/WGxm-dfaLx4" target="_blank">Bergara B14</a>

*(Habe bisher keine BR20 geschossen. Besitze jedoch eine Flinte von Brenner und
bin top zufrieden. Weiss allerdings nicht, ob es die als Linkshänderwaffe gibt.
Die Bergara gibt es für Linkshänder.)*

Das Kaliber .308 Winchester empfiehlt sich.  Die Munition ist viel günstiger
als bei anderen Kalibern. Für's Üben kauft man 500 Schuss
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vollmantelgeschoss" target="_blank">FMJ</a>. Später schiesst
man 100 Schuss im Jahr mit Jagdmunition
(<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Deformationsgeschoss" target="_blank">SP</a>,
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teilmantelgeschoss" target="_blank">JHP</a>, etc.).
Hersteller wie <a href="https://www.diewaffenbrüder.de/Munition/GGG-308-Winchester-GPX-FMJ-147-grs-1-Packung-20-Schuss-0-79.html" target="_blank">GGG</a>
aus Litauen haben ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis für .308, und es
gibt auch gute Jagdmunition für schmales Geld von GGG.

Es gibt jede Menge Theorien und Geschichten, welches Kaliber viel besser sei
als alle anderen. Alle Geschichten davon sind falsch. Wird genügend Energie
übertragen, so spielt das genaue Kaliber keine besondere Rolle bei der Jagd.
Für alles, was in Mitteleuropa lebt, reicht .308 Winchester. Nur für die
Grosswildjagd stellt sich das Thema (Büffel, Nilpferde, etc.)

Ich kaufe nur noch Büchsen mit Picatinny-Schiene. Es geht auch anders, aber
das ist so praktisch, dass ich nicht sehe, weshalb es anders sein soll. Das
sollte man jedoch nicht zu religiös sehen, wenn einem ein Sonderangebot
unterkommt – in dem Fall halt ohne Picatinny und mit klassischer ZF-Halterung.

Ein Jagdgewehr benötigt ein Mündungsgewinde, damit man später einen
Schalldämpfer anbringen kann. Eine Waffe ohne ein solches Mündungsgewinde kauft
man nicht.

Gewehr schiesst man immer auf der Seite des starken Auges. Auch wenn Du
Rechtshänder bist, aber Dein starkes Auge ist das Linke, kaufe eine
Linkshänderwaffe und gewöhn Dich dran! Leute, die das betrifft, schiessen oft
Pistole mit rechts und Gewehr mit links. Das ist kein Problem, aber das Gewehr
auf der falschen Seite, und Du triffst nicht.

### ZF auf der Büchse

Das Objektiv muss mindestens 50mm sein. 8-fach-Vergrösserung reicht (die
meisten haben mehr, und man dreht auf 8-fach runter). Die Glasqualität ist sehr
wichtig – man jagt in der Dämmerung. Deshalb ist
<a href="https://www.schmidtundbender.de/3-12x50-Klassik/644-xxx-xxx" target="_blank">deutsches Glas</a>
nach wie vor beliebt. Soll das Jagdgewehr auch für den Sport eingesetzt werden,
würde ich
<a href="https://element-optics.com/product/nexus/" target="_blank">Element</a>
oder
<a href="https://www.vortexoptik.de/vortex-razor-lht-3-15x50-g4i-bdc-mrad/" target="_blank">Vortex</a>
als Hersteller empfehlen – in diesem Fall nur japanisches Glas kaufen, kein
chinesisches, und nur First Focal Plane-Absehen. Für die Jagd alleine genügt
Second Focal Plane für's Absehen, es spielt keine Rolle – die Glasqualität
jedoch spielt bei der Jagd die grösste Rolle! Nicht erschrecken: ein gutes ZF
kostet in etwa so viel wie das Gewehr selbst. Kauft man als Jäger billiges
Glas, kauft man zweimal.

Bei der Büchse auf's Gesamtgewicht achten, dass man sie noch auf der Pirsch
länger tragen kann! Modelle für die Jagd sind leichter als die für's
Sportschiessen – aus gutem Grund! Auch das ZF darf nicht zu schwer sein.

Bei einem Jagdgewehr reichen einfache Ringe zum Befestigen des ZF. Die Ringe
sollten hoch genug sein, so dass das ZF beim Repetieren nicht im Weg ist, und
ansonsten so niedrig wie möglich! Der Innendurchmesser der Ringe muss zum
Aussendurchmesser des Rohrs des ZFs passen.

Soll das Gewehr auch sportlich benutzt werden, keine Ringe sondern
Brückenmontage kaufen!

Der Büchsenmacher soll das ZF montieren bei Anfängern. Das ZF muss so montiert
sein, dass man in der Kleidung, die man draussen trägt, die Waffe sitzend oder
stehend in den Anschlag nimmt, und spontan befindet sich das Auge in der Eyebox
(der Bereich, in dem man durch das ZF scharf sieht). Ist das nicht der Fall,
stimmt die ZF-Montage für den Schützen nicht, und muss solange korrigiert
werden, bis das funktioniert.

### Stecher

Stecher können eine Hilfe sein, aber sie machen für Anfänger die Sache komplex
und schwierig. Moderne Gewehrabzüge sind ganz leicht, und man braucht nicht
mehr unbedingt einen Stecher. Soll es ein Stecher sein, so sind deutscher
Stecher und französischer beide mit jeweiliger Übung zu handhaben –
Geschmacksache. Eine Waffe mit Stecher kann man sich aber auch später zulegen
und als Anfänger mal ohne beginnen. Falls Du eine Waffe mit Stecher hast, übe
Einstechen und auch Stecher lösen bis Du es blind richtig machst vor dem Schuss
bzw. vor dem Sichern.

## Flinte

Als kleinere Person nur eine Flinte kaufen, die für Damen bzw. kleinere
Menschen ist oder gut angepasst werden kann! Passt der Schaft nicht, ist es
unmöglich, mit der Flinte etwas zu treffen. Man kann sich den Schaft zudem
individuell anpassen lassen vom Büchsenmacher, und sollte das auch tun. Eine
Bockflinte empfiehlt sich sowohl für die Jagd als auch für das Training mit
Tontauben. Als Kaliber empfiehlt sich 12/76, denn damit kann man auch 12/70
verschiessen. Hier ist die Munition wiederum am günstigsten, und man kann sich
500 Schuss Übungsmunition (Stahlmunition) gut leisten, um fit zu werden. Nur
eine Flinte kaufen mit Chokes, die Stahlmunition verträgt!

Günstige aber gute Flinten gibt es z.B. von:

- <a href="https://youtu.be/F0_pNKAqJ9w" target="_blank">Brenner</a>
- <a href="https://youtu.be/qSZpu8UYNM4" target="_blank">Franchi</a> (gehört zu Beretta, haben etliche Damenflinten im Angebot)

## Nachsuche

Für die Nachsuche nehme ich einen
<a href="https://www.diewaffenbrüder.de/Waffen/Chiappa-1892-TD-WILDLANDS.html" target="_blank">kurzen (16") Unterhebel-Repetierer in .44 Magnum</a>.
Es geht jedes kurze, leichte Gewehr in einer Mittel- oder Grosskaliberpatrone.
Vorsicht: lokales Jagdrecht beachten!

## Fangschuss

Einen Fangschuss kann man gut auch mit der Flinte anbringen. Insbesondere, wenn
das Stück auf hartem Untergrund liegt (z.B. einer geteerten Strasse) kann man
mit Blei-Birdshot arbeiten – aus nächster Nähe aufs Gehirn gehalten überlebt
kein Stück Wild, und es gibt nicht viele Abpraller, weil die weichen
Bleikügelchen sich auf den Asphalt setzen.

## Drilling

Die Handhabung eines Drillings ist sehr komplex. Diese Waffengattung hat neben
dem offensichtlichen Vorteil auch grosse Nachteile, es ist ggf. schwierig, mit
dem zweiten Schuss zu treffen, weil der einen anderen Haltepunkt hat. Das muss
einem liegen, dann hat man zwei Gewehre in einem. Liegt es einem als Anfänger
nicht, einen Drilling kann man sich auch später kaufen.

## Kleinkaliber

Kleinkaliber-Waffen in .22lr, lang wie kurz, eignen sich sehr gut für's
Training, da die Munition extrem günstig ist. Man kann mit ihnen auch kleines
Wild jagen, aber das geht mit der Flinte einfacher.

## Kurzwaffen

Kurzwaffen sind praktisch, aber wenn man keine besondere Begabung dafür hat,
aufwändig zu erlernen – viel aufwändiger als der Umgang mit einem Gewehr.

Die erste Kurzwaffe sollte gross und schwer sein. Eine Kurzwaffe geht je
leichter zu erlernen, je grösser und schwerer sie ist. Minimal darf sie aus der
Kompakt-Klasse sein
(<a href="https://eu.glock.com/en/Products/Pistols/G19-Gen5-MOS" target="_blank">Glock 19</a>,
<a href="https://carl-walther.de/defense/produkte/p/2842694" target="_blank">Walther PDP 4" Compact</a>,
etc.), besser Full Size
(<a href="https://eu.glock.com/en/Products/Pistols/G17-Gen5-MOS" target="_blank">Glock 17</a>,
<a href="https://carl-walther.de/defense/produkte/p/2851741" target="_blank"> Walther PDP 4.5" FS</a>,
etc.)

In der Regel brauchen Schützen ein halbes Jahr wöchentliches Training, bis die
Kurzwaffe gut gehandhabt werden kann. Erst die zweite Kurzwaffe kann klein und
handlich sein, und man muss noch einmal ein paar Monate Übungszeit rechnen für
den Umstieg.

Die wichtigste Übung mit der Kurzwaffe ist zuhause das trockene Abziehen. Man
lädt die Waffe mit Pufferpatronen und übt jeden Abend trocken. Dazu stellt man
eine Patrone auf den Lauf. Es muss abgezogen werden, ohne dass die Patrone
herunter fällt.  Erst dann kann man mit der Kurzwaffe treffen.

Die erste Kurzwaffe nimmt man entweder als Revolver in .357 Magnum oder als
Automatik in 9mm Parabellum. Aus dem .357 Magnum schiesst man .38 Special
Munition, keine Magnums (ausser um Spass zu haben oder wenn es gegen wehrhaftes
Wild wie Wildschweine geht). 9mm Parabellum ist von den Grosskalibern das
günstigste, und es ist technisch der beste Kompromiss für Automatik-Pistolen.

Hat man wenig Kraft im Arm, so kann die Handhabung einer Automatik-Pistole
schwierig sein. Krafttraining hilft, aber auch die richtige Technik. Waffen wie
die Walther PDP sind eine grosse Hilfe dabei aufgrund der wesentlich besseren
Ergonomie als bei anderen Automatik-Pistolen. Man kann auch einen Revolver
nehmen, dann braucht man wenig Kraft. Günstige in .357 Magnum gibt es z.B. von
<a href="https://www.frankonia.de/p/91019" target="_blank">Weihrauch</a>.
Alternativ kann eine etwas grössere Automatik im kleineren Kaliber 9mm
kurz/.380 ACP helfen, die brauchen oft nicht so viel Kraft.

Revolver müssen oft geputzt werden, Automatik-Pistolen viel seltener, um sauber
zu funktionieren. Dafür ist das Putzen von Revolvern einfach, weil man sie
nicht zerlegen muss für die einfache Reinigung. Bei Revolvern müssen oft
Schrauben regelmässig nachgezogen werden, während das bei Automatik-Pistolen
meist nicht so ist.

## Waffenkauf

Kaufe keine Waffe, die Du nicht (z.B. im Laden) in der Hand hattest, und wo Du
die Handhabung testen durftest, ob die Waffe zu Dir passt! Frage, ob Du darfst,
und ziehe dann trocken ab, ob der Abzug für Dich passt! Die Unterschiede sind
extrem gross.

Waffen sind etwas Individuelles. Nimmt man eine Waffe in die Hand, so fühlt man
meist sofort “das ist für mich” oder “das ist nicht für mich”. Vertraue auf
Dein Gefühl!

*(Volker Birk)*

*Anm.: der offizielle Name für eine Automatik ist “Selbstladepistole” bzw. 
“Selbstladebüchse”. Nur sagt das in der Umgangssprache niemand so. Deshalb
schreibe ich stattdessen “Automatik”.*
